Wissenschaftler: Biblische Inhalte oft nicht historisch

Biblische Ausgrabungen

Foto: epd-bild/Dieter Vieweger

Ausgrabung auf dem Tell Zira´a in Jordanien, an der Grenze zu Israel und Syrien. Auch der Archäologe Dieter Vieweger (li) sagt:"Wir wollen eine Brücke zwischen Archäologie und Theologie schlagen, aber wir sind nicht dazu da, biblische Texte zu bestätigen."

Wissenschaftler: Biblische Inhalte oft nicht historisch
Biblische Inhalte haben vielfach nichts mit historischen Sachverhalten zu tun, sondern sind nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern "identitätsstiftende Texte".

Die Texte reflektierten das Selbstverständnis des Volkes Israel, sagte der israelische Archäologe Oded Lipschits, der kommende Woche in Oldenburg über seine Arbeit in der biblischen Archäologie informieren will. So konnten die Wissenschaftler nach Angaben des Instituts für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der Universität Oldenburg vom Donnerstag zeigen, dass es das israelitische Großreich unter König David wohl kaum gegeben haben kann. Staatliche Strukturen entwickelten sich in Israel vermutlich erst viel später, als es das Alte Testament darstellt.

Lipschits will am 14. Januar in einem englischsprachigen Vortrag am Oldenburger Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik genauer darüber informieren, was Ausgrabungen über die Bibel verraten. Ziel der Biblischen Archäologie sei eine methodisch fundierte, kritische Rekonstruktion der Geschichte des Alten Israel, hieß es im Vorfeld.

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Lipschits ist Professor für Biblische Archäologie an der Universität Tel Aviv, mit der die Universität Oldenburg im vergangenen Jahr einen Kooperationsvertrag geschlossen hat. Künftig wollen Lipschits und der Oldenburger Alttestamentler Jakob Wöhrle gemeinsam die Geschichte des Alten Israel erforschen.

Außerdem sollen 15 Oldenburger Studierende im Sommer an der von Lipschits geleiteten Ausgrabung in Tel Azekah teilnehmen, der größten derzeit in Israel laufenden Grabungskampagne. Nach Angaben der Universität ist es das erste Mal, dass sich Oldenburger Studierende an einem archäologischen Projekt in Israel beteiligen. Die Studierenden werden zwei Wochen lang mit Schaufel, Pickel, Hacken und Bürsten bis zu 4000 Jahre alte Gebäude und Artefakte ausgraben.

Öffentlicher Vortrag am Donnerstag, 14. Januar, ab 20 Uhr im Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der Universität Oldenburg (Gebäude A6 1-111, Campus Haarentor, Uhlhornsweg 82).