Hungerkatastrophe am Tschadsee möglich

Anders als von der nigerianischen Regierung behauptet, sei Boko Haram in Nigeria längst nicht besiegt.

Foto: Michael Riehle/laif

Ein Fischer auf dem Tschadsee, der an die Länder Nigeria, Niger, Tschad und Kamerun angrenzt. Dort bahnt sich laut einer Hilfsorganisation erneut eine Hungerkatastrophe an.

Hungerkatastrophe am Tschadsee möglich
In der Region um den Tschadsee in Zentralafrika bahnt sich laut einer Hilfsorganisation erneut eine Hungerkatastrophe an. In den angrenzenden Ländern Nigeria, Niger, Tschad und Kamerun seien rund 500.000 Kinder vom Hungertod bedroht, wenn sie nicht umgehende Hilfe erhielten, warnte Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, am Sonntag. Das Hilfswerk unterstützt Flüchtlinge in der Grenzregion Diffa im Niger.

Nach einem Jahrzehnt des Terrors durch die Boko-Haram-Miliz seien in den Ländern der Tschadsee-Region 2,4 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Zahl der Hungernden steige jetzt auf fünf Millionen Menschen. "Der Hunger wird sich in den kommenden Monaten aufgrund der Trockenzeit verschärfen, doch die Krise ist menschengemacht", betonte Yassin.

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Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat mehr als 100 im Februar im Norden Nigerias entführte Schülerinnen freigelassen. Nur ein Mädchen ist noch in den Händen der Miliz, weil es sich weigerte, zum Islam überzutreten.
Seit Juli hat es im Nordosten des Landes 190 solcher Fälle der Gewalt gegen Zivilisten und Flüchtlinge gegeben, wie diesen Anschlag  am 17.07.2017 in Maiduguri am Tatort eines Selbstmordanschlags.
27 Tote und 80 Verletzte - das ist die traurige Bilanz eines Selbstmordanschlags, bei dem sich drei Frauen am Dienstag nahe einem Flüchtlingslager am Rand der Stadt Maiduguri in die Luft sprengten.


Anders als von der nigerianischen Regierung behauptet, sei Boko Haram längst nicht besiegt. "Die Sicherheitslage in der Tschadsee-Region ist weiter prekär. Lebensrettende humanitäre Hilfe für die Menschen ist gefährlich und die Flüchtlinge können nicht in ihre Heimat zurückkehren", sagte er. Die Armut in Nordost-Nigeria sei der Nährboden für die Terrormiliz, die angeblich einen islamischen Gottesstaat errichten will.